Vom Gedenken bis zum Denkmal

Der Weg bis zum Denkmal

Ende des 2. Weltkriegs: Heinrich Himmler (SS Reichsführer) gab den Befehl, dass kein KZ-Häftling überleben sollte. Sie wurden deshalb auf Todesmärsche geschickt oder in Güterwaggons eingepfercht um deutschlandweit verteilt zu werden. Schwerpunktmäßig im März und April 1945 wurden Züge mit KZ-Insassen in Schneverdingen abgestellt.

17. April 1945: Englische Truppen erreichten Schneverdingen und entdeckten einen Güterzug mit mehreren geschlossenen Waggons, in denen eine spärliche Schicht Stroh den Boden bedeckte. Gegenüber vom Bahnhof fand man eine Grube mit den Leichen von 62 Menschen (unter anderem Polen und Russen), die dort am 8. oder 9. April 1945 vergraben worden waren.

27. April 1945: Alle örtlichen Betriebe, die Holz verarbeiteten, mussten Särge liefern. Nach der Einsargung wurden diese zum Friedhof gefahren und beigesetzt. Später erinnerte ein steinernes Kreuz mit der Aufschrift „1945 HERR, ERBARME DICH 62 UNBEKANNTE KZ-TOTE“ an diese Menschen.

Das Kreuz auf dem Friedhof

Wenn man bei EDEKA Ehlers auf dem Parkplatz steht, muss man über die Ampel gehen. Danach muss man sich links halten, bis man zur Schröderstraße kommt. Dort muss man rechts abbiegen und der Straße etwa 50 Meter folgen, bis man zum Friedhof rechts abbiegt. Auf dem Friedhof muss man dem Weg folgen, bis man auf der rechten Seite das Kreuz sieht.

Was hat das Kreuz für eine Bedeutung?

Aufgrund eines Befehls  wurden in Schneverdingen am Bahnhof 62 KZ-Häftlinge verscharrt. Als die Briten Schneverdingen erreichten, fanden sie die Leichen in einer Grube gegenüber dem Bahnhof. Auf ihren Befehl hin fand eine Umbettung statt. Auf dem Grab wurde später das steinerne Kreuz als Erinnerung aufgestellt.

29.8.1945: Die Militärverwaltung fordert, dass ein Gedenkstein errichtet wird. Das erfolgte in den ersten Monaten des Jahres 1946.

22.11.1954: Einer der Schneverdinger Pastoren macht den Vorschlag, die Gräber mit Heide zu bepflanzen, sie zu nummerieren und den Gedenkstein durch ein schlichtes Steinkreuz zu ersetzen.

1979: Nach der Ausstrahlung der Serie „Holocaust“ liefern sich Bürger und NPD ein Anzeigen-Duell in der Böhme-Zeitung.

11.4.1987: Dirk Ziebell schreibt an die Böhme-Zeitung einen Leserbrief, in dem er sich über fehlendes Gedenken am Bahnhof, dem Ort der Grauentat, beklagt.

5.10.1988: Die CDU lehnt den Vorschlag der SPD ab, eine Informationstafel über die Todesumstände auf dem Friedhof aufzubauen.

8.5.1995: Aufgrund des 50.Jahrestages des Kriegendes veranstaltete die Peter-und-Paul-Gemeinde eine Konzertlesung sowie danach eine Ausstellung im Theeshof mit Zeugenbefragung.

2004: Eine Informationstafel wird am Friedhof errichtet.

15.11.2015: Die Schülerin Tamara Deuter liefert den Entwurf für das Mahnmal am Bahnhof. Mit ihrer Idee überzeugte sie die zehnköpfige Jury, die aus Vertretern von Bildung, Politik und Kultur bestand.

Das Denkmal am Bahnhof in Schneverdingen

Der Betonkubus mit dem Bretterverschlag steht direkt beim Bahnhof an den Gleisen. Der Kubus symbolisiert einen Eisenbahnwaggon.

Die großen Nägel stehen für die KZ-Häftlinge, die in offenen Güterwagen transportiert wurden. Eine große Betonplatte schwebt darüber als Symbol für das drohende Verhängnis. (Bild rechts: Das Gebäude am Bahnhof, mit Sicht in Richtung Gleise)

Der Entwurf ist in einem Kunstwettbewerb im Rahmen der KGS in Schneverdingen entstanden. Die Stadt Schneverdingen hat für das Mahnmal 132.000 Euro investiert, wovon etwa 35.000 Euro gespendet wurden. (Bild links: Das Kunstwerk mit den Nägeln im Bretterverschlag im Gebäude)

Tamara Deuter, damals Schülerin der KGS Schneverdingen, hatte das Modell für ein Mahnmal am Bahnhof Schneverdingen konzipiert

Geschichte des Gedenkens in Deutschland in der Nachkriegszeit

Am 27. Januar 1996 wurde der Gedenktag von Bundespräsident Roman Herzog ins Leben gerufen. Er wählte diesen Tag, weil am 27. Januar 1945 die Rote Armee alle Häftlinge aus dem Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau befreit hatte. Zu diesem Beschluss sagte er:

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Am 29.8.1945 hat die Militärregierung dazu aufgefordert, dass auf jedem Friedhof, auf dem Angehörige anderer Nationen begraben sind, ein Gedenkstein errichtet werden soll. Denn neben dem Tod der vielen Juden ist ein weiterer Grund für den Gedenktag, die Erinnerung an die Menschen die den Mut aufgebracht haben, den Juden in dieser schweren Zeit zu helfen. Am Gedenktag wehen deshalb jedes Jahr bei den Behörden und an öffentlichen Gebäuden die deutschen Flaggen auf Halbmast. Auch an öffentlichen Veranstaltungen wie Theateraufführungen soll an die Verbrechen der Nazis gedacht werden und auch andere Organisationen veranstalten einmal im Jahr Gedenkveranstaltungen, wie z.B. bei Vitos, welche immer am 1.September stattfinden, um an die NS-Krankenmorde zu gedenken.

Nach dem Krieg meinten viele Menschen, dass sie nichts wussten von all dem, was mit den Juden in den Konzentrationslagern geschah. In der Nachkriegszeit wurde sogar eine vierteilige Serie gedreht und ausgestrahlt, die ,,Holocaust“ heißt und in der es darum geht, dass eine jüdische Familie in ein Konzentrationslager gebracht wird.

Quellen: Wikipedia; Bundeszentrale für politische Bildung, Ausstellung Geschichte des Gedenkens Mai 2019; Böhmezeitung