Geschichte – KZ-Züge auf der Heidebahn

Von Wannsee bis Schneverdingen

Seit Herbst 1941 wurden Juden aus dem deutschen Einflussbereich in Vernichtungslager in den eroberten Ostgebieten deportiert. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 berieten Beamte und SS-Führer, wie die endgültige Lösung der Judenfrage aussehen könnte. Man einigte sich auf die sogenannte Endlösung: Gemeint war die Vernichtung aller in Europa lebenden Juden.

Die SS löste ab 1944 frontnahe Konzentrationslager auf. Dabei wurden die meisten KZ-Häftlinge zum Abmarsch in Richtung Reichsmitte gezwungen, oder sie wurden als Passagiere zum Abtransport in Eisenbahnwagen gesperrt.
Am 08. April 1945 hielt ein Transportzug mit etwa 4000 KZ-Häftlingen aus Nordhausen in Wintermoor. Zu diesem Zeitpunkt waren schon bereits zwei der Güterwaggons mit 59 Toten gefüllt. Sie wurden dann im Ententeich verscharrt. Am Ende waren 156 Menschen dort beerdigt worden. Wintermoorer Einwohner mussten auf Befehl der Engländer die Toten auf den örtlichen Friedhof umbetten. (Bild links: Grabstein auf dem Friedhof Wintermoor)

Ein weiterer am Nachmittag des gleichen Tages eingetroffener Zug mit KZ-Häftlingen wurde von britischen Flugzeugen angegriffen, weil die Alliierten dachten, der Zug sei für Munition oder einen Truppentransport bestimmt. Dies war nicht unwahrscheinlich, da es in Kamperheide nördlich von Wintermoor die Wehrhilfsmunitionsanlage Schneverdingen, ein großes Munitionsdepot, gab. Maschinengewehrfeuer bedeckte die gesamte Länge des Zuges und die Wagen des Munitionszuges explodierten. Einige Gefangene flohen während des Angriffs, wurden jedoch schnell gefasst und hingerichtet. Am 9. April um 13.30 Uhr setzte der Zug seine Fahrt in Richtung Soltau fort. In den nächsten Tagen gab es mindestens zwei weitere KZ-Züge am Bahnhof Wintermoor. (Rechts: Einer von mehreren Evakuierungstransporten aus den Harzlagern)

Schneverdingen in der Nazizeit

1938 entstand in Reinsehlen ein Militärflugplatz der deutschen Luftwaffe. Das war dann der Einsatzflughafen für den 2. Weltkrieg.

Eine Zeugin berichtet, dass die KZ-Züge erst im Frühjahr 1945 in Schneverdingen ankamen. Ca. 60 Personen befanden sich in einem Waggon. Die Menschen, die aus den Zügen ausstiegen, waren meist sehr abgemagert und sahen aus wie lebende Skelette. Da der Platz in den Waggons sehr beengt war und die Gefangenen wenig Essen hatten, starben auch viele Häftlinge. Mann und Frau konnte man auch nicht sehr gut unterscheiden, da sie alle rasiert wurden und alle das gleiche an hatten.  Manche waren auch gar nicht bekleidet.

Nachdem die britischen Truppen einmarschiert waren, nutzten sie die militärischen Einrichtungen und Unterkünfte. 1946 wurden sie dann deutschen Behörden zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen zur Verfügung gestellt. Anfang des Jahres 1946 waren dort schon 1500 Menschen untergebracht und somit war es eines der größten Flüchtlingslager Norddeutschlands. Drei Jahre später, also 1949, wurde das Lager zur Einrichtung eines militärischen Trainingscamps an die Engländer zurückgegeben.

Geschehnisse in Nachbarorten

Soltau: Auf dem Weg in das Konzentrationslager Bergen-Belsen flohen am 11.4.1945 Häftlinge aus den Transportzügen. Gequält und fast verhungert suchten sie Schutz. Soldaten der Wehrmacht, Angehörige der nationalsozialistischen Partei, ihre Untergliederungen und Soltauer Bürger suchten und fanden die Häftlinge. Sie töteten zahlreiche Häftlinge und verteilten ihre Leichen im Wald.

In diesem Wald steht heute das Mahnmal. Mit diesem Denkmal erinnert die Stadt Soltau an die über 90 Ermordeten und ebenso an alle Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Wolterdingen: Aufgrund des Vormarsches der Briten blieb in Wolterdingen ein Zug mit politischen Gefangenen stehen, der auf dem Weg nach Bergen-Belsen war. Als die SS-Wachen Gefahr liefen gefangen genommen zu werden, befahlen sie den Häftlingen die Waggons zu verlassen. Sie sollten in kleinen Gruppen im nahegelegenen Wald tiefe Gruben graben. Nachdem sie fertiggestellt waren, schlugen die Wachen die Häftlinge mit Holzknüppeln tot, warfen sie hinein, bedeckten sie mit Erde und flohen anschließend. (siehe Bild rechts)

Andere Gebiete im Heidekreis: Auf kleineren Bahnhöfen wie z.B. Wintermoor gab es immer wieder einzelne Fluchtversuche. Dabei wurden meistens die Flüchtigenerschossen. Einige schafften es zu fliehen, wurden dann aber in ihren Verstecken wie z.B. Bauerhöfen gefunden und erschossen.

 

 

Quellen: Nur Gott der Herr kennt ihre Namen, Schneverdingen 2019; Wikipedia; Stadtarchiv Schneverdingen; Ausstellung Geschichte des Gedenkens Mai 2019