26. August 2016
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KGS-Schüler würden Grün wählen

Partei beeindruckt Schneverdinger Jugendliche bei Podiumsdiskussion mehr als CDU, SPD und FDP

 

Schneverdingen. Wenn es nach den wahlberechtigten Schülern der KGS Schneverdingen geht, dann würden die Grünen bei der Kreistagswahl am 11. September stärkste Kraft. 134 von 328 Schülern votierten am Donnerstag, 25. August 2016, bei einer Probeabstimmung für Bündnis 90/Die Grünen. Die CDU folgte mit 96 Stimmen, die SPD mit 74 und die FDP mit 24. Die Schüler waren aufgefordert, ein Votum abzugeben, nachdem sich die Kandidaten der vier Parteien bei einer Podiumsdiskussion der KGS ihren Fragen gestellt hatten.

Es mag der Heimbonus von Carsten Gevers gewesen sein, der den Ausschlag zu seinen Gunsten gab. Der 43-Jährige ist nämlich nicht nur Spitzenkandidat der Grünen für die Kreistagswahl im Bezirk Schneverdingen-Neuenkirchen, sondern auch Lehrer an der KGS. Inhaltlich argumentierte Gevers ähnlich wie die anderen Kandidaten Gerd Engel (63, CDU), Fritz-Ulrich Kasch (66, FDP) und Dieter Möhrmann (68, SPD). Von den Schülern der Stufen 10-12 überwiegend zu Schulthemen befragt, sagten alle vier zu, sich darum zu kümmern, wenn sie in den Kreistag gewählt würden.

Die Moderatoren Melina Eggers, Marc-Antonio Göttsche und Joel Horstmann aus Stufe 11 hatten Fragen zu drei großen Komplexen vorbereitet: JOBwärts, Flüchtlinge und Schulbusverkehr. Im Hinblick auf JOBwärts fragten sie die Kreispolitiker, warum das Land seine Unterstützung für das Hauptschulprojekt nicht über dieses Schuljahr verlängern wolle. Die Befragten bekannten durch die Bank, dass sie darauf wenig Einfluss hätten, kritisierten aber den Umgang des Kultusministeriums mit der Schule und den Schülern.

Das Ministerium hatte die KGS bis zuletzt im Unklaren gelassen, ob es JOBwärts weiter unterstützt. Es habe sich „nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte Möhrmann und bedauerte, dass JOBwärts nicht zum landesweiten Schulversuch erhoben wurde. Gevers gab seinen Eindruck wieder, dass das Land sich aus der Sache habe rauswinden wollen in der Hoffnung, dass niemand nachfragt. Kasch nannte es „unverständlich“, wie man auf Landesseite mit einem Projekt umgeht, dass mehrfach preisgekrönt sei. Engel gab es als eine Aufgabe aus, JOBwärts zusammen mit Schulsozialarbeit und Hauptschulprofilierung zu betrachten und sich für alles einzusetzen.

Emotional wurde es beim Thema Flüchtlinge. Schüler sprachen Fälle an, in denen in Schneverdingen lebende Flüchtlinge abgeschoben werden sollen, obwohl sie sich nachweislich gut integrierten. Die Jugendlichen zeigten sich sehr betroffen und wollten von den Politikern wissen, wie so etwas sein könne. Kasch und Möhrmann sagten übereinstimmend, dass man wohl oder übel die Regeln akzeptieren müsse, die auf Europa- und Bundesebene aufgestellt werden.

Einen originellen Vorschlag brachte Moderator Marc-Antonio Göttsche beimThema Schulbusverkehr an. Er bedauerte, dass die Oberstufenschüler keine Zuschüsse zu den Tickets bekommen, und regte an, dies durch Mehreinnahmen aus dem zurzeit kostenlos nutzbaren Heide-Shuttle zu finanzieren. Touristen könnten beispielsweise mit 50 Cent pro Person und Fahrrad zur Kasse gebeten werden.

Kasch nannte diese Idee völlig berechtigt, sprach sich aber für einen anderen Lösungsansatz, nämlich Studiengebühren, aus. Gevers gab ebenfalls das Ziel aus, an anderer Stelle Geld einzusparen, um die benötigten Zusatzkosten von mindestens 600.000 Euro auszugleichen. Engel berichtete, dass die beteiligten Kommunen den Shuttle einstweilen so laufen lassen wollten, Möhrmann, dass man bereits an Lösungen für das Problem arbeite.

Nach der Podiumsdiskussion konnten die 450 Schüler noch in Klassenräumen 16 Schneverdinger Kandidaten zur Stadtratswahl befragen. Dabei überschätzten sie teilweise deren Kompetenzen. Ein Schüler aus Stufe 11 wollte von CDU-Ratsherr Dr. Rainer Hillenbrand wissen, ob nicht eine Stunde Sport pro Woche zu wenig sei. Hillenbrand klärte darüber auf, dass die Stadt darauf keinen Einfluss habe.

Derweil berichtete SPD-Kandidatin Hendrikje Köster Schülern aus Stufe 12, wie sie zur Politik kam und wie sehr sie es bedauert, dass es mit dem Baumwipfelpfad in Schneverdingen nichts wurde. Ratsherr Jürgen Schulz von der Wählergemeinschaft klärte Zehntklässler über anstehende Entscheidungen des neuen Stadtrates auf, etwa zur leerstehenden alten Schlachterei in der Innenstadt. Tobias Köster, für die Grünen im Stadtrat, bot den Zehntklässlern, denen er Rede und Antwort stand, erst einmal das Du an und erzählte dann, was er im Rat eigentlich so macht. ph

 

Artikel aus der Böhme-Zeitung vom 26. August 2016

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