24. September 2017
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Unter der Überschrift „Das kann Schule machen“ berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ in seiner aktuellen Ausgabe (39/2017) über Bildung in Deutschland. Anhand von zehn Beispielen aus der Bundesrepublik werden Ideen gezeigt, „wie es besser geht“. Dabei wird unter dem Punkt VI. über die Integration von Flüchtlingen an der KGS Schneverdingen wie folgt berichtet:

(…)

VI.

Flüchtlinge

Vor einer Gruppe fremder Menschen zu sprechen, macht Adel Fansa nichts aus. Er strafft die Schultern und erzählt: von seiner Flucht aus Syrien, von der Ankunft im niedersächsischen Schneverdingen und davon, wie es war, ohne den Vater reisen zu müssen und in Deutschland auf ihn zu warten. Dann erzählt er, dass er vor Kurzem mit seinen Mitschülern auf dem Heideblütenfest im Ort war. „Das hat Spaß gemacht.“

Adel Fansa, 16 Jahre alt, ist einer von 54 geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die seit dem Frühjahr 2015 an der Kooperativen Gesamtschule aufgenommen wurden. Sie sind stolz hier auf Adel, der Chemieunterricht liebt, in zwei Jahren Abitur machen und dann Medizin studieren möchte. Dass Adels Ankunft in Deutschland so gut gelang, ist keine Selbstverständlichkeit. Doch die Kooperative Gesamtschule in Schneverdingen, einem Ort mit einer Migrantenquote von gerade einmal sechs Prozent, bekommt die Integration von Geflüchteten besonders gut hin und wurde dafür ausgezeichnet.

Es sind viele kleine Bausteine, die ein funktionierendes Gesamtkonzept ergeben. Zum Beispiel die QR-Codes, die an verschiedenen Stellen im Gebäude hängen. Scannt man sie mit dem Handy, erscheinen Erklärfilmchen auf Arabisch, Farsi, Russisch und anderen Sprachen. Der Schüler erfährt, wie der Vertretungsplan funktioniert oder wie man Essen in der Mensa bestellt.

„Ein Smartphone haben eh fast alle in der Tasche“, sagt Schulleiter Mani Taghi-Khani, dessen Vater vor vielen Jahren aus Iran eingewandert ist. Da ist das Verkehrstraining mit der Polizei, in dem die neuen Schüler lernen, wie man sich auf den Straßen sicher bewegt, zu Fuß oder als Radfahrer. Und da sind die Stundenpläne, die für jedes Kind eigens zusammengestellt werden. „Das Wichtigste“, sagt der Schulleiter, „ist aber, die Eltern mitzunehmen.“

Erscheint ein Schüler nicht regelmäßig zum Unterricht, stattet Integrationskoordinatorin Anke Renken der Familie einen Besuch ab, manchmal auch in Begleitung eines Dolmetschers. Die Schule lädt Geflüchtete regelmäßig zum Elterncafé, mit einem Anschreiben in sechs Sprachen. Taghi-Khani erzählt von Vätern, die zwar kaum ein Wort Deutsch sprachen, beim Rundgang durch die Schule dann aber jeden Schüler im Werkraum per Handschlag begrüßten, und von Müttern mit Kopftuch, die in der Hauswirtschaftsklasse neugierig in die Kochtöpfe lugten.

„Es ist wichtig, dass die Eltern wissen, wie Schule hier funktioniert“, so Taghi-Khani. Damit die Kinder ankommen können, müssen wir das Vertrauen der Eltern gewinnen.“

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Quelle: DER SPIEGEL 39/2017, Miriam Olbrisch

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