03. Oktober 2022
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Ivar Buterfas-Frankenthal und seine Frau Dagmar berichten von ihrem Leben

 

120 Minuten lang hätte man eine Stecknadel im Forum des Hauptgebäudes der KGS hören können, wenn sie auf den Boden gefallen wäre – und das, obwohl mehr als 250 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 und 12 anwesend waren, als einer der letzten lebenden Zeitzeugen der Gräueltaten des Nationalsozialismus, Ivar Buterfas-Frankenthal, gemeinsam mit seiner Frau Dagmar aus seinem Leben berichtete und anschließend bereitwillig für Nachfragen aus dem Publikum zur Verfügung stand.

Ivar Buterfas-Frankenthal wurde 1933 in Hamburg geboren, er wuchs in Hamburg auf. Seine Mutter war christlichen und sein Vater jüdischen Glaubens. Buterfas’ Vater Felix wurde 1934 ins Konzentrationslager Esterwegen eingewiesen. Kurz nach seiner Einschulung im Jahr 1938 musste Buterfas die Schule verlassen, da er „Halbjude“ war. Die Familie wurde von den Nationalsozialisten in einem „Judenhaus“ untergebracht.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Ivar Buterfas verletzt, als in der Nähe des Hauses ein Sprengsatz detonierte. Dank der Hilfe eines Freundes der Familie gelang Buterfas’ Mutter und ihren Kindern die Flucht. Als der Aufenthalt der Familie aufflog, ergriff man abermals die Flucht, ging nach Hamburg zurück und lebte dort zunächst in einem Kleingartenhäuschen, dann im Keller eines von einem Bombenangriff zerstörten Gebäudes.

Von den Nationalsozialisten wurde Buterfas die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen, er war fortan staatenlos und erhielt anschließend einen Fremdenpass, weshalb er sich regelmäßig bei den Behörden melden musste. 1964 erlangte Ivar Buterfas die deutsche Staatsbürgerschaft zurück – allerdings ohne eine Entschuldigung für den vorherigen Entzug. 

Ivar Buterfas-Frankenthal hat bereits 1573 Schulen und Hochschulen in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz aufgesucht und dort den Jugendlichen von seinen Erlebnissen berichtet.

Für sein Lebenswerk hat er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten: Neben weiteren seien diese erwähnt:

  • 1995: Weltfriedenspreis
  • 2003: Europäische Menschenrechtsmedaille
  • 2020: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

 

Als das Ehepaar Buterfas-Frankenthal die KGS verließ waren sie voll des Lobes für die hochinteressierten Schüler-/innen und den Rahmen, in dem die Veranstaltung stattfand. „Ich war in über 1500 Schulen und Institutionen. Aber ein solch schönen Rahmen hat es noch nie gegeben.“

 

 

Autor: Schulleitung

 

 

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