3.10.2016
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1600 Schüler, 68 Gruppen und jede Menge Themen

 

VON PHILIPP HOFFMANN

 

Schneverdingen. Lavinia Pankratz drückt auf einen Knopf, schon düst das Lego-Auto los. Wie von Geisterhand gesteuert, meistert es die aufgemalten Kurven auf der Unterlage. „In dem Auto sind Lichtsensoren, die hell und dunkel unterscheiden können“, erklärt die Sechstklässlerin. Ihre Freundin Chiara Kothe ergänzt: „Wir haben es auf dem Computer so programmiert, dass es sich bei Dunkel wendet.“ Und Student Masiullah Najem liefert das letzte Detail, das an der Erklärung noch fehlt: „Die Daten befinden sich auf einem Chip in dem Auto.“

Robotics heißt das Projekt, das die TU Harburg bei der diesjährigen Projektwoche der KGS Schneverdingen anbot. Zwei Stu- denten führten Sechstklässler anhand von Lego-Roboterbaukästen in das Programmieren ein. Das war mit der Software, die die Harburger mitbrachten, ganz einfach: Die Befehle für die Roboter konnten einfach als Symbole mit der Maus auf den Bildschirm gezogen werden.

Das Roboterprojekt war eines von 68 Projekten, mit denen sich die 1600 KGS-Schüler in dieser Woche befassten und die sie beim Präsentationsnachmittag vorstellten. Einige Projekte waren bestimmten Klassenstufen vorbehalten, andere jahrgangsübergreifend, etwa das Musical-Projekt.

Zu den beliebtesten Projekten zählten laut der didaktischen Leiterin Claudia Menzel neben Robotics noch die Erste-Hilfe- Kurse mit dem Deutschen Roten Kreuz, das in eine Aufführung mündende Tanzprojekt mit Musik aus verschiedenen Jahrzehnten sowie „Essen verbindet Kulturen“. Die bei diesem Projekt zubereiteten Speisen wurden verkauft , der Erlös soll der Naturschutzstiftung WWF zukommen.

 

Aus Müll entstehen neue Gegenstände

 

Gleich viermal wurde, nach Klassenstufen getrennt, das Projekt „Upcycling“ angeboten. Dabei stellten Schüler aus Müll neue Gegenstände her. Die Kinder aus Stufe 5 arbeiteten im Klassenverband, befassten sich etwa mit dem Weltraum, indem sie Ge- schichten schrieben, Außerirdische bastelten und das Planetarium in Bremen besuchten. Ein Projekt in Stufe 6 war das Her- stellen von Brettspielen, etwa Monopoly und Mensch-ärgere-dich-nicht aus Holz.

Manche Projekte werden von dauerhaftem Nutzen für die Schule sein, etwa der „Willkommens-Guide“, den deutsche und ausländische Schüler gemeinsam erstellten. Er hilft Schülern, die noch nicht oder wenig Deutsch sprechen. Der Guide besteht aus Texten und Videos, die einmal die Homepage der Schule ergänzen sollen. Sie erklären unter anderem, wo es zum Kiosk oder in die Sporthalle geht, wie die Bibliothek genutzt werden kann und was das Blockmodell ist. Muttersprachliche Schüler halfen, alles auf Englisch und Arabisch zu übersetzen.

Schüler der 9. und 10. Klassen erarbeiteten einen Poetry-Slam und trugen die Texte vor. Vanessa Ehmann schrieb einen Text über Schlaflosigkeit. „Erst ist er ein bisschen witzig, dann kommt ein Bruch hin zum Ernsten, Verträumten“, berichtete sie.

Ein paar Räume weiter befassten sich Oberstufenschüler unter dem Titel „Die Zukun is(s)t pflanzlich“ mit veganer Ernährung. Sie habe mehr über das Thema erfahren wollen, begründete Ronja Fiedler ihre Teilnahme am Projekt – zumal sie vegan lebende Freunde habe und selbst nicht viel Fleisch esse. Die Jugendliche probierte eine Reihe veganer Brotaufstriche und – belege und befand sie für gut, wenn es ihr beim veganen Naturkäse auch an Geschmack mangelte.

Das Projekt drehte sich jedoch nicht nur um veganes Essen, sondern um die gesamte Ernährung auf der Erde. „Wir könnten alle Menschen wunderbar ernähren, wenn das Essen nur anders verteilt würde“, sagte Lehrerin Tanja Treublut. Zugleich gab sie zu bedenken, dass die Tierhaltung zu 70 Prozent schuld am Klimawandel sei. „Es muss sich etwas ändern in der Welt, wir müssen unsere Essgewohnheiten ändern.“

Genau so, „verändere die Welt“, war ein anderes Projekt betitelt. Darin ging es um Menschenhandel und Zwangsprostitution. In Zusammenarbeit mit dem Verein Freethem, der gegen Menschenhandel kämpft , befassten sich die Schüler mit der Situation von Prostituierten in Deutschland und der Rechtslage. Für den Präsentationsnachmittag erarbeiteten sie Stationen, an denen man zum Beispiel ein „Selfie“ mit einem Statement zum Thema abgeben und bei Facebook hochladen konnte

 

Quelle: Böhme-Zeitung vom 1. Oktober 2016

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