1.06.2018
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Chemie zum Verspeisen

KGS Schneverdingen bringt Grundschülern auf ebenso anschauliche wie schmackhafte Weise ein nicht bei allen Schülern beliebtes Schulfach näher

 

Von Philipp Hoffmann

 

Schneverdingen. Wenn die Schüler der Klasse 3a von der Schneverdinger Grundschule in Hansahlen künftig gefragt werden, was KGS bedeutet, dann haben einige von ihnen möglicherweise eine originelle Antwort parat: Karamell für Grundschüler. Denn nach dem Besuch der Kinder der Kooperativen Gesamtschule tat eines von ihnen schon einmal seine Vorfreude kund: „Ich freue mich auf die KGS. Dann kann ich immer Karamell essen.“

Das Karamell, das die Neuntklässlerinnen Antonia und Darleen im KGS-Wahlpflichtkurs „Chemie für Grundschüler“ über dem Gasbrenner aus Butter und Zucker zubereiteten, hatte es den Gästen angetan. Nina und Melissa kündigten gleich nach dem Besuch an, sich selbst einmal an der Zubereitung zu versuchen, sobald sie zuhause seien. Lukas und Julia bekannten, dass ihnen das Karamell von allen Darbietungen mit am besten gefallen hatte.

Dabei ist die Karamellstation eigentlich nur das süße i-Tüpfelchen des Kurses, den die KGS seit Jahren anbietet. „Wir können nicht mehr darauf verzichten, weil es sich an den Grundschulen herumspricht, dass es hier Karamell gibt“, sagt Chemielehrerin Katja Joskowski. In dem Kurs, mit dem die Schule den Schneverdinger Grundschülern Lust auf Chemie machen will, werden Experimente gezeigt – das Sahnestück des naturwissenschaftlichen Fachs.

Würden im klassischen Chemieunterricht mehr Experimente gemacht, fänden die Neuntklässlerinnen Emilie und Fabienne das Fach noch besser. Sie haben den Wahlpflichtkurs gewählt, weil dort viel experimentiert wird und weil sie von anderen Schülern gehört haben, dass es Spaß macht. Die beiden Mädchen zeigen den Grundschülern nun, wie diese Seifenblasen produzieren können. „Das funktioniert gut“, staunt Emilie. „Früher, als ich klein war, hat es nie geklappt.“

Stichflamme bei einer Mehlstaubexplosion

Josef un Vincent kennen den Kurs schon, seitdem sie selbst als Grundschüler an der KGS zu Besuch waren. Sie fanden das „gut“ und „toll“. Nun stehen sie auf der anderen Seite und führen Experimente mit Feuer vor. Mitschüler Pascal ist voll in seinem Element und kommt aus dem Erklären gar nicht mehr heraus. Mit der Mehlstaubexplosion darf er eines der spektakulärsten Experimente durchführen. Dabei wird Mehlstaub in einem Standzylinder entzündet, was eine große Stichflamme hervorruft.

Doch es muss gar nicht unbedingt spektakulär sein.Vielen der Hansahlener Grundschüler gefällt ein Papierchromatografie-Experiment am besten. Chromatografie ist ein Verfahren zur Trennung von Stoffen. Lehrerin Joskowski zeigt, wie Wasser die Farbei eines schwarzen Filzstifts in ihre Bestandteile zersetzt: Plötzlich kommen Blau-, Rot- und Gelbtöne hervor. „Das sieht voll geil aus“, sagt ein Junge.

Den Kindern einfach ein paar schöne Erinnerungen zu verschaffen, ist für Joskowski genauso wichtig, wie ihnen das Fach schmackhaft zu machen. Doch nicht nur die Grundschüler profitieren von dem Angebot. Die Jugendlichen von der KGS vertiefen ihr eigenes Wissen, indem sie Jüngeren Dinge erklären.

„Ich habe das heute zum ersten Mal allein gemacht“, erzählt Paul stolz. Normalerweise erklärt eine Mitschülerin, wie sich mit Kohle die Farbe aus Tintenwasser filtern lässt, doch die ist an diesem Tag krank. Also schildert Paul den wissbegierigen Kindern, wie man das Wasser auf natürliche Weise wieder so klar hinbekommt, dass man es sogar wieder trinken könnte.

Nicht nur Chemie zum Anfassen, sondern sogar Chemie zum Verspeisen bietet der KGS-Kurs. Joskowski verrät den Kindern am Ende noch, wie sie das Karamell verfeinern könnten: „Einfach ein bisschen Sahne hinzugeben.“

 

Quelle: Böhme-Zeitung vom 01.06.2018

 

 

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